Die GE sah die Folgen des Staatsvertrags als Chance für die arbeitenden Menschen in Österreich, durch die die sozialen und arbeitsrechtlichen Errungenschaften in ganz Österreich gesichert und vor allem weiter ausgebaut werden können. Denn der österreichische Staatverfügte nun über zahlreiche erstklassige Industriebetriebe und Ölvorkommen.
Die Sowjetunion hatte darauf bestanden, dass alle ehemals Nazideutschen Werke, auch die in den anderen Teilen Österreichs in staatlichen Besitz übergingen, denn das „Wiener Memorandum“ sah vor, dass die Ölindustrie an westliche Konzerne ausgeliefert wird. Österreich war ein reiches Land geworden. Die GE trat 1955 mit dem Entwurf eines Aktionsprogramms an die ÖGB-Gremien, das sich in sieben Punkten der Sicherung der Arbeitsplätze, der Arbeitszeitverkürzung, der Erhöhung des Lebensstandards, der Sozialpolitik etc.widmete. Der 3. ÖGB-Kongress beschloss 1955 nach einer kämpferisch geführten Diskussion dieses von der GE vorgeschlagenen Aktionsprogramm nicht, wohl aber eines, das noch als Grundlage für eine fortschrittliche Arbeit des Gewerkschaftsbundes angesehen werden konnte. Die GE stimmte daher dem Kompromiss zu.

Politischer Terror und über 4000 Entlassungen in den ehemaligen USIA-Betrieben führten zu einer Niederlage der GE bei den Betriebsratswahlen in den Jahren ach 1955., Sie verlor Stimmen und Mandate, konnte sich aber in den wichtigsten Verstaatlichten Betrieben halten und vereinzelt sogar gewinnen.

1955 war aber auch das Jahr des erfolgreichen Straßenbahnerstreiks, der für gerechtere Arbeitsbewertung geführt wurde: Der Erfolg war der Geschlossenheit von KommunistInnen, Parteilosen und sozialistischen und christlichen Arbeiten gedankt, alle Beschlüsse des Streikkomitees wurden einstimmig gefasst.

Die Forderungen der GE zu der Sozialversicherung wurden teilweise vom ÖGB übernommen - so die Senkung des Rentenalters in Etappen auf 55. Jahre für Frauen und 60 Jahre für Männer- und durchgesetzt. Die Einführung der dynamischen Rente konnte von der Arbeiterschaft nicht erkämpft werden, obwohl die Teuerung immer Besorgnis erregender wurde.

Die Paritätische Kommission wurde in den 50er Jahren als Provisorium geschaffen. Sie hatte sich weit gehend informell zur stabilsten zentralen Institution verfestigt. Die GE setzte sich dafür ein, dass die Vertreter des ÖGB und der AK keine Zustimmungen zu den Preis- und Tariferhöhungen in der Paritätischen Kommission geben, weil hier die Beschlüsse der Gewerkschaften zur aktiven Lohnpolitik konterkariert wurden. Die GE lehnte – wie auch die Mehrheit der Delegierten des 4. ÖGB-Kongresses – nicht nur die Ergebnisse der Politik der Paritätischen Kommission ab, sondern die Politik der Sozialpartnerschaft insgesamt, in die sie eingebettet war, und stimmte auch gegen die Resolution des ÖGB zur Wirtschaftspolitik. Ein Schwerpunkt in der Politik der GE, auch innerhalb der GremiStdes ÖGB, war der Kampf um die Arbeitszeitverkürzung. Vorerst gelang nur die Herabsetzung auf die 45-Stunden-Woche und es wurden auch dabei von ÖGB-Seite faule Kompromisse mit den Unternehmern eingegangen

Auf der internationalen Konferenz „40-Stunden-Woche" im Mai 1961 in Wien setzte sich Betriebsobmann Ernst Schmid als Vertreter der GE mit den gesundheitlichen Aspekten, den Möglichkeiten einer größeren Arbeitszeitverkürzung durch die technischen Entwicklungen und den seit Jahrhunderten sich gleichenden falschen Argumenten der Gegner auseinander.

Erstmals wurde am 12. Mai 1962 die Wahl einer zentralen Fraktionsleitung auf einer gesamtösterreichischen Konferenz der GE durchgeführt. Sie stand auch im Zeichen des erfolgreichen, von der GE unterstützten, Metallarbeiterstreiks (200.000 Teilnehmer). Die Konferenz wählte ein 50 köpfiges Leitungsgremium und Otto Horn zum Vorsitzenden, Egon Kodicek zum Sekretär und Gottlieb Fiala zum Ehrenvorsitzenden.

Bis Mitte der 1960er Jahre konnte ein nicht unmaßgeblicher Einfluss durch die GE in der österreichischen ArbeiterInnenbewegung aufrechterhalten werden. Bei den Arbeiterkammerwahlen (der gesetzlichen Vertretung aller Arbeiter, Angestellten und öffentlich Bediensteten) erzielte die GE immer an die zehn Prozent der Stimmen.

Gegen die zunehmenden Entstaatlichungspläne der Regierungen und des Parlaments musste der Kampf um die Verstaatlichte Industrie für die Interessen der arbeitenden Menschen in Österreich geführt werden – dokumentiert wird dies in zahlreichen Artikeln in »der Arbeit«, »Weg und Ziel«, die auch über Aktionen und Konferenzen der GE berichten. Erwähnt sei hier der Kampf der Rax-Werke-Arbeiter.

1963 fasste die GE auf einer außerordentlichen Konferenz in einem Diskussionspapier ihre Haltung zur von SPÖ und ÖGB unterstützen Sozialpartnerschaft zusammen: „dass zwischen Kapital und Arbeiterklasse grundlegende Gegensätze bestehen, die nicht überbrückt werden können, … dass darum die Politik der Sozialpartnerschaft, die davon ausgeht, dass die Interessen der Kapitalisten und der Arbeiterschaft im Wesentlichen die gleichen sind, den Tatsachen widerspricht und die Arbeitenden nur daran hindert ihre eigenen Interessen konsequent zu vertreten. … dass der Kapitalismus ungeachtet seiner neuen Erscheinungsformen sein Wesen nicht verändert hat …, dass die Theorie vom gewandelten Kapitalismus nur dazu dient, die Politik der Sozialpartnerschaft zu rechtfertigen …Die Gewerkschaften müssen dem kapitalistischen Wirtschaftskonzept ihr eigenes Konzept entgegenstellen …"

Die 2. Bundeskonferenz (6.-7.11.1965, Wien, VVorsitzender Otto Horn) formulierte einen Brief an das ÖGB-Präsidium betreffend Teuerung und Reallohnverlust, fasste wichtige Beschlüsse zur Umverteilung des Sozialprodukts, der Steuergesetzgebungsreform, zu Forderungen des Arbeitsrechtes (Experte der GE Rabofsky), appellierte aber auch vehement an den ÖGB seine Stimme gegen den Krieg der USA gegen Vietnam zu erheben. Der GLB ist dem Volk von Vietnam in allen Jahren seines Kampfes verbunden.

Autonom in wessen Sinn?

Die 3. Bundeskonferenz (3.-4.5.1969, Wien) auf Anton Hofer gewählt wurde, beschäftigte sich vor allem mit den Auswirkungen der ÖVP-Alleinregierung und formulierte Grundsätze echter Mitbestimmung als Einengung der Macht des Großkapitals (ein Etappenziel zur Umgestaltung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung) im Gegensatz zur Sozialpartnerschaft. Auch in dieser Frage war man mit der KPÖ in Übereinstimmung. Am 29. und 30. September desselben Jahres fand eine Beratung zwischen GE-Leitung und Vertretern der KPÖ statt, in der ein schriftlicher Beschluss über das Verhältnis GE und KPÖ gefasst wurde, der ihre enge politische Zusammenarbeit in grundlegenden Fragen betonte, aber festhielt, dass die GE unabhängig und selbstständig ist, und auch die KPÖ das Bestreben der GE auf größtmögliche Einbeziehung von sozialistischen und parteilosen Kollegen in ihrer Arbeit unterstützt.

Das war natürlich auch dem Agieren der „Autonomisten" unter Egon Kodicek, Johann Margulies, Franz Marek, Gustl Zickler etc. geschuldet, die argumentierten, dass es, um von den Sozialisten akzeptiert zu werden, notwendig sei, sich stark von der KPÖ zu distanzieren, und auch antisowjetische und antikommunistische Positionen einnahmen. Durch die Ereignisse von 1968 in der Tschechoslowakei verstärkte die Gruppe ihre Aktivitäten, die sich gegen die Leitungen der KPÖ richteten und sofort vom ÖGB unterstützt wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist der sogar mit dem Vorsitzenden Horak nicht abgesprochene, überfallsartige Vorschlag anstelle von Robert Täubl - der aus Altersgründen wahrscheinlich beim nächsten ÖGB-Kongress zurückgetreten wäre - Egon Kodicek als Sekretär in den ÖGB zu schicken, eine Forderung, der vom ÖGB auch gleich nachgekommen wurde, obwohl sie nicht den Wünschen der Mehrheit in der GE entsprach. Um sich den Namen Gewerkschaftliche Einheit zu sichern und mit ihm im ÖGB arbeiten zu können wurde von einem Proponentenkomitee ein Verein „Arbeitsgemeinschaft für Gewerkschaftliche Einheit" polizeilich angemeldet. In der 4. Bundeskonferenz (17.-18.10.1970, Wien) auf der Anton Hofer (Vorsitzender) und Rudolf Streiter (Sekretär), Leopold Hornik (Ehrenvorsitzender) gewählt wurden, erfüllten sich die Hoffnungen der Vereinsgründer jedoch nicht, heftige Auseinandersetzungen wurden ausgetragen und die überwiegende Mehrheit der Delegierten aus den Betrieben bekannte sich letztlich zu den bisherigen Grundsätzen der GE und zum Nahverhältnis mit der KPÖ. Daher waren die meisten Kollegen um die „Autonomisten" nicht mehr bereit aktiv mitzuarbeiten, übermittelten am 28. Mai 1971 der Leitung ihren Austritt und traten im Juli mit Hans Resch (Vorsitzender) und Egon Kodicek (Sekretär) als „Arbeitsgemeinschaft für die Gewerkschaftliche Einheit" im ÖGB eigenständig auf.

Änderung des Namens, nicht der Politik

Die 5. Bundeskonferenz der GE (Vorsitzender Anton Hofer) am 4. 9. 1971 verurteilte mit großer Mehrheit dieses Vorgehen als weitere Spaltung der Arbeitenden. Weiters wandte sich die Konferenz vehement gegen Versuche, die FPÖ als Fraktion im ÖGB anzuerkennen. Am 23. 11. 1974 fand in Wien unter dem Motto „Klassenkampf statt Sozialpartnerschaft" eine außerordentliche Bundeskonferenz statt, die auch der realen Situation entsprechend Abgrenzung und damit eine Namensänderung der Fraktion auf „Gewerkschaftlicher Linksblock (Kommunisten, Linke Sozialisten und Parteilose) vornahm, um den Manipulationen der SPÖ mit der Gruppe Kodicek entgegenwirken zu können. Es sollte unterbunden werden, dass weiterhin innerhalb des ÖGB und in den Betrieben - wie zum Beispiel bei den Personalvertretungswahlen der Eisenbahner, wo der Gruppe um Kodicek die Möglichkeit gegeben wurde als GE zu kandidieren – die Aufsplitterung der Kräfte möglich wurde. Die Arbeitsgemeinschaft GE spielte innerhalb des ÖGB eine Rolle, der GLB mehr innerhalb der Betriebe. Obwohl der Kampf immer härter wurde – vor allem auch in den Verstaatlichten Betrieben und durch die Politik der Sozialpartnerschaft der sozialistischen GewerkschaftsfunktionärInnen, die sich auch nicht scheuten mit „Terror" gemeinsam mit den Betriebsleitungen gegen GLBlerInnen vorzugehen. Karl Russheim beschäftigte sich mit den wichtigen Fragen der innergewerkschaftlichen Demokratie, die im Dokument der Konferenz behandelt wurden.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass Österreich nicht noch stärker in den Krisensog der kapitalistischen Länder gezogen werde, war nach Analyse des GLB, der Kampf gegen die Abhängigkeit von der EWG (Vorläufer der EU) mit ihrer Hegemonie Deutschlands.

ArbeiterInnen und Angestellte gemeinsam

6. Bundeskonferenz des GLB (29.-30.8.1975, Wien) wählte erneut Anton Hofer zum Vorsitzenden. Der GLB mobilisierte Tausende KollegInnen (auch mit einer Unterschriftenaktion) gegen das Steuerunrecht, engagierte sich für Gesundheitswesen im Betrieb und forderte ein einheitliches Arbeitsgesetzbuch und damit die volle Gleichstellung von ArbeiterInnen und Angestellten, bei gleichzeitigen Verbesserungen für alle Arbeitenden: „Die rechtliche Angleichung der Arbeiter an die Angestellten ist nicht nur für die Arbeiter von Bedeutung, sondern schafft auch bessere Bedingungen zur Durchsetzung gemeinsamer weit reichender Forderungen." So heißt es im beschlossenen Dokument. Die Solidarität mit den ausländischen KollegInnen in Österreich wurde von der Konferenz in einem. Forderungskatalog mit acht Punkten, der auch heute noch aktuell ist, dargelegt. Fragen der Aktionseinheit und Bündnispolitik wurden erneut im Lichte der österreichischen Situation, der ÖGB, die Parteienlandschaft von GLB und KPÖ analysiert - eine Fülle von Material gibt es da vor allem in »Weg und Ziel«, und »die Arbeit« nachzulesen. Die Durchsetzung der 40 Stunden-Woche wurde von den KollegInnen des GLB als wichtiger Erfolg begrüßt.

Der Trend zu starken Verlusten bei den AK-Wahlen für den GLB kann ein wenig gestoppt werden. AK-Wahlen werden aber ab den 60er Jahren immer stärker als parteipolitische Wahlen gesehen.

1976 nach der Pensionierung von Egon Kodicek, machte der GLB seinen Anspruch auf den ÖGB-Sekretär geltend und nominierte Rudolf Streiter für diesen Posten.

Die 7. Bundeskonferenz tagte unter dem Titel „Alternativen für die achtziger Jahre – Analyse und Programm“ und beschloss ein 5-Punkte-Programm.

Bei der Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf macht sich der GLB gemeinsam mit der KPÖ durch den Aufruf für ein „Kritisches Ja“ ein wenig lächerlich.

GLB und Frauen

Mit den Ungleichheiten, mit den Wurzeln und Erscheinungsformen und mit den Fortschritten zu ihrer Überwindung, sowohl wie auch mit den Grenzen gewerkschaftlicher Aktivitäten in der Beseitigung der Frauendiskriminierung befasste sich am 19. Mai 1979 eine Frauenkonferenz des Gewerkschaftlichen Linksblocks. In den Gremien des ÖGB engagierten sich Funktionärinnen des GLB wie Berta Brichacek, Gisela Streiter, Gretl Klug und andere. Sie hatten wohl die politische Unterstützung des GLB in einer fortschrittlichen Frauenpolitik, aber tatkräftige Unterstützung erfuhren sie selten.

Berta Brichacek: „Jeder Kommunist, welche Gewerkschaftsfunktion er auch immer innehat, hat die Verpflichtung, den Kampf der arbeitenden Frauen für ihre gleichen Rechte am Arbeitsplatz und innerhalb der Gewerkschaften zu unterstützen. Nur so wird auch eine stärkere Einbeziehung der Frauen in den allgemeinen Kampf der Arbeiterklasse möglich sein." (Die Frau in der Gewerkschaftsbewegung in: »WuZ« 1975, Seite 517)

Das internationale Jahr der Frau 1975 musste auch einiges im ÖGB ändern: Präsident Benya hatte kurz vor 1975 noch Unternehmern empfohlen, lieber zuerst die verheirateten Frauen zu entlasten. Der Begriff „Doppelverdiener"- von den Gewerkschaftsfrauen bekämpft - zeigte, wie weit es in der Gewerkschaft um die Frauenfrage bestellt war.

Auch ein Beitrag zur Geschichte des GLB

Wichtige Grundlage dieser Artikelserie ist das Buch „Österreichs Kommunistische Gewerkschafter in der 2. Republik“ von Rudolf Streiter, das leider nicht mehr erhältlich ist. Vom BUVO der KPÖ wurde leider ohne Verständigung des GLB abgelehnt, die im ÖGB vorhandenen Exemplare aufzukaufen und diese wurden daher eingestampft.

Weitere Teile dieser geplanten Geschichte des GLB dürfen nicht mehr gebracht werden, schon dieser zweite Teil sollte nach Willen der neuen Bundesleitung nicht erscheinen. Kollegin Antlangers Begründung in einem mail an die bisherige Redaktion: „…, wird auf die fortsetzung der glb-geschichte von lisl rizy verzichtet, da die jüngere glb-geschichte erst mal aufzuarbeiten ist und es keine zustimmung dafür in der bulei gab, dies durch koll. rizy tun zu lassen.“

von Lisl Rizy