Die schon seit Jahren schwelende und in den letzten Wochen akut gewordene internationale Finanzkrise hat alle kritischen Warnungen, wie auch jene des GLB, anschaulich bestätigt. Das neoliberale Patentrezept „Weniger Staat, mehr privat“, das Gottvertrauen auf den „freien Wettbewerb“ und die Selbstregulierung durch den Markt sind wie ein Kartenhaus zusammengebrochen.
Resolution des GewerkschafterInnennetzwerkes in und bei der Partei der Europäischen Linken
Der Kapitalismus als System kennt keine Untergrenze für die Bezahlung der menschlichen Arbeitskraft. Gleichzeitig ist das kapitalistische System immer wieder bestrebt, die Arbeitszeit der abhängig Beschäftigten ins Unermessliche auszudehnen.
Die Möglichkeit eines Grundeinkommens wird seit einiger Zeit von unterschiedlicher Seite diskutiert: Linke, Grüne und katholische Kreise diskutieren darüber ebenso wie manche Neoliberale – allerdings mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen. Sowohl von manchen BefürworterInnen als auch von GegnerInnen wird das Thema teilweise geradezu hysterisch zu einer Glaubensfrage erhoben, was einer sinnvollen Diskussion jedoch wenig nützlich ist.
Ein Akzent der zunehmenden Prekarisierung der Arbeits- und damit auch der Lebensverhältnisse ist auch das wachsende Ausmaß der Leiharbeit. Allein von 2000 bis 2007 hat sich die Zahl der LeiharbeiterInnen von 18.546 auf 56.581 mehr als verdreifacht, die Tendenz ist weiter wachsend. Vor allem am Bau und im Tourismus boomt die Leiharbeit. Die Problematik der Leiharbeit wird allein schon dadurch deutlich, dass sich die wachsende Zahl der auf diesem Sektor tätigen mittlerweile 1.500 Unternehmen den Begriff Leiharbeit durch das modisch klingende Wort „Zeitarbeit“ ersetzen möchte.
Für einen offensiven Kurs bei den anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst 2007 plädiert der GLB. Gerade dem Abschluss für die gut organisierte Metallbranche, welche traditionell die Lohnrunde beginnt, kommt dabei eine entscheidende Schlüsselfunktion zu die als Richtschnur für die anderen Branchen dient.
Auch wenn wir die Selbstbehalte und die Verschiebung des Solidaritätsprinzips zu Ungunsten der Werktätigen kritisieren, sehen wir doch, dass Österreichs Gesundheitssystem als eines der besten der Welt gilt. Ist jemand krank, erhält er medizinische Leistung, ohne dass vorweg die Frage gestellt wird, wer die Behandlung bezahlt oder ob er sich die Behandlung selbst leisten kann. Niemand enthält in Österreich einer/m Mittellosen die notwendige medizinische Versorgung vor.
Schwerpunktforderungen der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB)
Von behübschenden Floskeln wie „Wohlfahrtsstaat“ oder „soziale Marktwirtschaft“ befreit zeigt der reale Kapitalismus in seiner neoliberalen Ausprägung seit Anfang der 90er Jahre wieder und verstärkt seinen wirklichen Charakter. Kennzeichnend dafür sind eine anhaltend hohe Sockelarbeitslosigkeit als Dauererscheinung, eine wachsende Prekarisierung von Arbeitswelt und Gesellschaft, steigender Druck auf Löhne und Sozialleistungen.
Für einen gesetzlichen Mindestlohn von acht Euro pro Stunde
Die Löhne bleiben zurück
Die Löhne sind in Österreich in den letzten zehn Jahren real nur um magere 2,8 Prozent gestiegen (zum Vergleich in Schweden um 25,4 Prozent). Die sinkende Lohnquote illustriert das Zurückbleiben der Löhne bei gleichzeitig steigenden Gewinnen und Vermögen anschaulich.
Gemeinsam aktiv gegen europaweiten Sozialabbau statt europäischer „Sozialpartnerschaft" und Unterstützung der Lissabon-Strategie
Aktiv wird ÖGB-Präsident Hundstorfer nun auch auf EU-Ebene - in einer Aussendung vom 18.6.2007 beschäftigt er sich damit, wie die Lissabon-Strategie besser umgesetzt und die dort festgeschriebenen Ziele schneller erreicht werden können. Abgesehen davon, dass es sich dabei um eine kapitalistische Wachstumsstrategie handelt - mit dem Ziel, Europa zu einem starken Konkurrenten gegenüber beispielsweise dem amerikanischen Markt zu machen und es ohnehin nicht einzusehen ist, dass sich die ÖGB-Führung Hoffnungen auf soziale Verbesserungen im Rahmen der Lissabon-Strategie macht, empfiehlt Hundstorfer wieder einmal das „österreichische Modell" der „Sozialpartnerschaft.
Das Ergebnis der PISA-Studie hat dem österreichischen Bildungswesen deutliche Schwächen attestiert. Entsprechende Konsequenzen sind für alle Bereiche – von den Kindergärten bis zu den Universitäten – erforderlich. Die gängige, dem EU-Kontext der Liberalisierung und Privatisierung entsprechende, Politik der österreichischen Regierungen ist allerdings nicht in der Lage dazu wirksame Schritte zu setzen. Im Gegenteil wird auch das Bildungswesen zunehmend dem „freien Markt“ ausgeliefert.
Die Entwicklung der Produktionsweise unter kapitalistischen Bedingungen hat zu einem immer stärkeren räumlichen Auseinanderklaffen von Arbeit, Wohnen, Freizeit und Bildung geführt. Wohnten vor hundert Jahren die ArbeiterInnen im Umfeld ihrer Arbeitsstelle, so sind heute Entfernungen von fünfzig oder mehr Kilometern zum Arbeitsplatz für viele Lohnabhängige üblich. Die gängige Strukturpolitik begünstigt zusätzlich die Zersiedelung insbesondere im Umland der Städte enorm, was wiederum zwangsläufig mit einem verstärkten Pendelverkehr verbunden ist.
Die Ergebnisse des 16. Bundeskongresses des ÖGB sind ernüchternd und enttäuschend zugleich. Die Chance für eine grundlegende Reform des sich in einer tiefen politischen sowie finanziellen Krise befindenden ÖGB wurde nicht genützt, die Hoffnungen hunderttausender Mitglieder enttäuscht.
Seit Jahren gibt es massive Bestrebungen der Handelskonzerne – unterstützt von kapitalfreundlichen Lifestyle-Medien und neoliberalen PolitikerInnen – die geregelten Ladenöffnungszeiten aufzuheben und ein als Freizeitgestaltung propagiertes Einkaufen rund um die Uhr zu ermöglichen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden bereits die Ladenöffnungszeiten an Wochentagen und Samstagen wesentlich ausgeweitet, in Fremdenverkehrsgemeinden gibt es zahlreiche Ausnahmeregelungen und mit Verweis auf den Tourismus gibt es einen starken Druck die Geschäfte allgemein auch an Sonntagen offenzuhalten.
Der BAWAG-Skandal hat im Frühjahr 2006 eine tiefe Krise des ÖGB deutlich gemacht, deren eigentliche Ursachen freilich weit in die Vergangenheit zurückreichen und viel tiefer liegen. Zu Recht erwarten sich die Mitglieder, darüber hinaus aber alle Unselbständigen, vom kommenden ÖGB-Kongress im Jänner 2007 Antworten, wie die Zukunft der Gewerkschaften als ihre Interessenvertretung aussehen soll.
Der Großteil der Lohnnebenkosten sind elementare Bestandteile des Einkommens und der sozialen Sicherheit der Lohnabhängigen. Die Kommunalabgabe ist eine wichtige Grundlagen der Gemeindefinanzen, ihre Abschaffung würde ein Finanzloch der Gemeinden und der Kapitallogik folgend Tarif- und Gebührenerhöhungen zur Folge haben. Die Abschaffung der Beiträge zur Wohnbauförderung würde das Wohnen noch mehr verteuern. Die Beiträge zur Berufsausbildung sind für ein funktionierendes Bildungssystems unerläßlich.
In zahlreichen Branchen sind in Österreich nach wie vor Löhne bzw. Gehälter von weniger als tausend Euro brutto üblich, in vielen davon sogar weniger als 900 Euro – und dies für Vollzeitarbeitsplätze. Die niedrigsten Mindestlöhne gibt es für ZeitungszustellerInnen (670), SkilehrerInnen (683) und FußpflegerInnen (705). Gerade in Branchen die gewerkschaftlich wenig organisiert sind (Ärzte, Rechtsanwälte, Freiberufler, Gastgewerbe, Dienstleistungen etc.) sind teilweise auch die niedrigsten Verdienste zu finden.
Das Ergebnis der Nationalratswahl vom 1. Oktober 2006 bedeutet keine grundlegende Veränderung für die österreichische Politik, auch wenn die konservative ÖVP als bisher stärkste Partei von der SPÖ mit ihrem LIF-Anhängsel verdrängt wurde.
Nach dem BAWAG-Skandal dürfen die hochbezahlten ÖGB-Spitzen nicht weitertun, als ob nichts geschehen wäre. Die Gewerkschaftsbewegung muss wieder Boden unter den Füßen gewinnen. Mehr denn je brauchen die Menschen in diesem Land eine starke Interessenvertretung. Wir wollen, dass der ÖGB wieder an Vertrauen bei Mitgliedern und in der Öffentlichkeit gewinnt. Dazu sind radikale Änderungen nötig. Daher fordern wir, dass die ÖGB-Spitzen für Gewerkschaftsmitglieder und künftige Mitglieder konkrete, sichtbare Zeichen setzen.
Der BAWAG-Skandal hat schlagartig eine tiefe Krise des ÖGB deutlich gemacht. Die Übernahme neoliberaler Denkmuster und Handlungsweisen und fehlende Kontrollen verbunden mit einem Selbstverständnis als Ordnungsfaktor, der Entfremdung von der Basis durch horrende Privilegien der Führungsspitze, dem Verzicht auf Kampfmaßnahmen und die Unterordnung unter Parteiinteressen haben den ÖGB politisch ohnmächtig gemacht.
Das österreichische Sozialsystem wird – neben Dienstnehmerbeiträgen, sinkenden Staatszuschüssen, wachsenden Selbstbehalten und steigender Eigenvorsorge – durch Dienstgeberbeiträge finanziert. Diese Beiträge werden nach der Lohnsumme bemessen.